Werbung · Wir verdienen über Partner-Links (Awin) in unseren Themenwelten – für dich ändert sich am Preis nichts.
★ ehrlich statt Hype

Handy kaufen: Die Update-Garantie ist das neue Kaufargument

Dealo rechnet in Jahren, nicht in Megapixeln 📱

Von Torben & Lina · Stand: August 2026 · Lesezeit ca. 9 Minuten

Seit dem 20. Juni 2025 klebt auf jedem neuen Handy in der EU ein Energielabel. Es sieht aus wie das vom Kühlschrank, sagt aber viel mehr: neben der Effizienzklasse stehen dort die Akkulaufzeit, die Zahl der Ladezyklen, eine Reparierbarkeitsklasse, eine Sturzfestigkeitsklasse und die IP-Schutzart. Zum ersten Mal lassen sich Handys damit an geprüften Zahlen vergleichen statt an Werbetexten. Dieser Artikel zeigt, welche dieser Zahlen wirklich zählen – und welche Angabe in Produkttexten regelmäßig größer aussieht, als sie ist. In unserer Fernseher-&-Handy-Welt stehen über 90 Smartphones von 39,90 € bis 2.199 €, das mittlere Gerät kostet 349 €.

Dealo sagt: „Ich habe keine Hosentasche. Aber ich habe gelernt: Das teuerste Handy ist das, dem nach zwei Jahren die Updates ausgehen und das man deshalb wegwerfen muss.“

1. Die neue Regel, die alles ändert: fünf Jahre Sicherheitsupdates

Die Ökodesign-Verordnung (EU) 2023/1670 gilt seit dem 20. Juni 2025 und schreibt Herstellern verbindlich vor, was ein Handy können und wie lange es leben muss. Die Kernpunkte, direkt aus Anhang II:

Eine wichtige Einschränkung: Die Verordnung verpflichtet zur Bereitstellung dessen, was ein Hersteller entwickelt. Ein Anbieter, der gar keine neue Android-Version mehr baut, verstößt damit nicht automatisch gegen die Regel. „Fünf Jahre Sicherheit" heißt also nicht „fünf Jahre neue Android-Versionen". Das ist der Unterschied, der beim Vergleich zählt.

2. Wer wie lange liefert – die Zahlen der Hersteller

Alle Angaben stammen aus den Update-Zusagen der Hersteller. Wo ein Anbieter für Oberklasse und Mittelklasse Verschiedenes verspricht, steht beides da.

Herstellerneue Android-VersionenSicherheitsupdates
Google Pixel (ab Pixel 8, auch a-Modelle)77 Jahre
Samsung Galaxy S24 bis S2677 Jahre
Samsung Galaxy A-Serie (A16 bis A56)66 Jahre
HONOR Magic7 (ohne Lite-Modelle)77 Jahre
vivo X30057 Jahre
OPPO Find X8/X956 Jahre
Xiaomi 15 / POCO F7 Ultra46 Jahre
OnePlus 1346 Jahre
Redmi Note (Mittelklasse)1 bis 33 bis 4 Jahre
OPPO A-Serie, OnePlus Nord1 bis 23 Jahre
nubia / ZTEkeine öffentliche, bezifferte Zusage auffindbar

Apple nennt in der Produktwerbung gar keine Jahreszahl – im EU-Label steht die gesetzliche Untergrenze von fünf Jahren nach Verkaufsende, faktisch versorgt Apple iPhones seit Jahren sechs bis sieben Jahre lang. Und am anderen Ende: Fairphone stellt für das aktuelle Modell Unterstützung bis 2033 in Aussicht.

Das ist die eigentliche Rechnung beim Handykauf. Ein Gerät für 629 € mit sieben Jahren Updates kostet 90 € pro Nutzungsjahr. Ein Gerät für 229 € mit drei Jahren kostet 76 € – knapp weniger, aber du kaufst dreimal so oft neu. Sobald die Sicherheitsupdates enden, ist ein Handy nicht kaputt, aber es sollte kein Onlinebanking mehr sehen.

3. Die Zahl, die größer aussieht, als sie ist: der Arbeitsspeicher

In unserer Welt stehen mehrere robuste Outdoor-Handys, die mit „24 GB RAM" beworben werden – zum Beispiel ein DOOGEE für 109,99 € und ein weiteres für 139,99 €. Zum Vergleich: Ein Samsung Galaxy S25 für 549 € hat 12 GB, ein vivo X300 Pro für 1.239,90 € hat 16 GB. Es wäre erstaunlich, wenn das 110-€-Gerät den doppelten Arbeitsspeicher hätte – und das hat es auch nicht.

Was dort steht, ist eine Summe. Der Hersteller selbst schlüsselt sein Spitzenmodell im eigenen Shop als „8 GB + 16 GB" auf: acht Gigabyte echter Arbeitsspeicher, sechzehn Gigabyte reservierter Platz auf dem Flash-Speicher, den das System notfalls als Ersatz benutzt. Bei einem anderen Anbieter heißt es im Handel offen „16 + 16 = 32 GB RAM".

Bringt dieser virtuelle Speicher etwas? Messungen mit gängigen Leistungstests fanden Unterschiede von rund einem Prozent – bei der Grafikleistung praktisch keinen. Der Grund ist Physik: Echter Arbeitsspeicher überträgt Daten grob fünfundzwanzigmal schneller als der Flash-Speicher, der ihn ersetzen soll. Was der virtuelle Speicher dagegen sicher tut: Er belegt Platz für deine Fotos und erzeugt zusätzliche Schreibvorgänge auf einem Bauteil, das sich abnutzt.

Faustregel: Steht im Titel eine RAM-Zahl über 16 GB an einem Gerät unter 300 €, ist es fast immer eine Summe. Such nach der Aufschlüsselung „x + y" im Datenblatt. Der erste Wert zählt.

4. Wasserdicht heißt nicht schwimmfest

Die IP-Schutzarten sind in der Norm IEC/DIN EN 60529 festgelegt. Die erste Ziffer steht für Fremdkörper, die zweite für Wasser. Der entscheidende Unterschied:

Angabewas genormt istwas das praktisch heißt
IP54staubgeschützt, Spritzwasser aus allen RichtungenRegen und Küche, kein Untertauchen
IP67staubdicht, 1 m für 30 Minuten – fest definiertWaschbecken, Pfütze, Regenguss
IP68staubdicht, Untertauchen nach Herstellerangabenicht genormtje nach Hersteller. Samsung nennt 1,5 m/30 Minuten und ausschließlich Süßwasser
IP69KDampfstrahl 80 bis 100 bar bei 80 °CIndustrieanforderung, ersetzt IP68 nicht

IP68 ist also keine feste Zusage, sondern die Wiedergabe dessen, was der Hersteller geprüft hat. Salzwasser, Chlorwasser, Seifenlauge, heißes Wasser und Wasserdruck stehen bei praktisch allen ausdrücklich außerhalb. Und dann kommt der Satz, der wehtut: Flüssigkeitsschäden sind bei allen großen Herstellern von der Garantie ausgenommen. Ein IP68-Handy darf ins Wasser fallen – aber wenn es kaputtgeht, zahlst du.

5. Akku: was ein Ladezyklus ist und was Schnellladen wirklich kostet

Ein Ladezyklus ist nicht „einmal an die Steckdose", sondern der Verbrauch von 100 Prozent Kapazität – zweimal von 50 auf 100 laden ergibt einen Zyklus. Apple gibt für iPhones bis zur 14er-Reihe 80 Prozent Restkapazität nach 500 Zyklen an, ab dem iPhone 15 nach 1.000 Zyklen. Die EU-Untergrenze liegt bei 800.

Und die Frage, die alle stellen: Schadet Schnellladen dem Akku? Der bislang umfangreichste öffentliche Langzeitversuch hat zwanzig Geräte über je 500 Zyklen laufen lassen und fand zwischen schnellem und langsamem Laden weniger als einen Prozentpunkt Unterschied in der Restkapazität. Was messbar half, war etwas anderes: Wer im Bereich zwischen 30 und 80 Prozent lädt, statt jedes Mal voll zu machen, lag um bis zu vier Prozentpunkte besser. Der Ladestand ist wichtiger als die Ladegeschwindigkeit.

Was wir nicht belegen können: ob ausgerechnet die 120-Watt-Schnellladung einzelner Hersteller einen messbaren Nachteil hat. Der Versuch nennt keine Wattzahlen. Wir behaupten es deshalb weder in die eine noch in die andere Richtung.

Ein Nebeneffekt der EU-Regeln, den man beim Kauf mitnehmen sollte: Seit dem 28. Dezember 2024 müssen alle neuen Handys in der EU per USB-C laden (Richtlinie (EU) 2022/2380). Das alte Kabel passt also, und ein Netzteil liegt oft nicht mehr bei – das ist kein Mangel, sondern Absicht.

6. Was die Reparierbarkeitsklasse verrät

Auf dem Energielabel steht eine Reparierbarkeitsklasse von A bis E, berechnet aus einem Index bis 5,00 (A ab 4,00, E ab 1,00). Daneben die Sturzfestigkeitsklasse, ebenfalls A bis E – für Klasse A sind 270 Stürze nötig, für Klasse E reichen weniger als 45.

Der Realitätscheck lohnt sich: Ein aktuelles Apple-Spitzenmodell trägt laut eigenem Produktdatenblatt Effizienzklasse A, 53 Stunden Akkulaufzeit, über 1.000 Ladezyklen, Sturzfestigkeit B – und einen Reparierbarkeitsindex von 3,04, also Klasse C. Selbst am oberen Ende des Marktes ist Reparierbarkeit kein Verkaufsargument. Wer darauf Wert legt, findet die Werte über den QR-Code auf dem Label in der EU-Datenbank EPREL – nachprüfbar und unabhängig vom Shoptext.

7. Gewährleistung, Garantie und der Satz „offizielles EU-Modell"

Zwei Dinge werden ständig verwechselt:

Steht in einem Angebot „offizielles EU-Modell", ist das ein Hinweis auf Ware, die für den europäischen Markt bestimmt ist. Bei Geräten von außerhalb kann die Herstellergarantie örtlich eingeschränkt sein und die Abwicklung länger dauern. Die gesetzliche Gewährleistung gilt trotzdem, solange du bei einem Händler in Deutschland kaufst.

Wann sich das neue Handy nicht lohnt

Lass es, wenn: dein Gerät noch Sicherheitsupdates bekommt und nur der Akku schwächelt – ein Akkutausch kostet einen Bruchteil und ist dank der Ersatzteilpflicht sieben Jahre lang möglich. Wenn dich eine RAM-Zahl überzeugt hat, die du im Datenblatt nicht als „x + y" wiederfindest. Und wenn du ein Outdoor-Handy kaufst, weil es robust aussieht: Die Sturzfestigkeit steht seit Juni 2025 als Klasse auf dem Label jedes Geräts – auch bei den schlanken. Gummiecken sind kein Nachweis.

Und ein Preisvergleich, den kaum jemand macht: Für den Aufpreis vom 229-€- zum 629-€-Modell bekommst du in unserer Welt ungefähr vier Jahre zusätzliche Updates. Ob dir das die 400 € wert ist, hängt davon ab, wie lange du Handys behältst – nicht davon, wie schnell der Prozessor ist.

📱 Zu den Smartphones in der Fernseher-&-Handy-Welt →

Kurze Fragen, kurze Antworten

Wie viel muss ich mindestens ausgeben?

Die Stiftung Warentest führt in ihrer Datenbank mit 476 geprüften Smartphones (Stand 29.07.2026) gute Modelle bereits unter 200 €. In unserer Welt liegt fast jedes fünfte Gerät unter 150 €. Der Haken ist selten die Leistung, sondern fast immer die Update-Dauer – prüf sie vor dem Preis.

Braucht man wirklich 256 GB Speicher?

Wenn du Fotos in der Cloud sicherst, reichen 128 GB für die meisten. Wichtiger ist, dass der Speicher nicht durch virtuellen Arbeitsspeicher belegt wird – bei den „24-GB-RAM"-Geräten gehen davon 16 GB ab. Ein Steckplatz für eine Speicherkarte ist bei Mittelklassegeräten häufiger als bei teuren.

Was bedeutet die Effizienzklasse auf dem Handy-Label?

Sie beschreibt, wie sparsam das Gerät mit seiner Akkuladung umgeht – nicht den Stromverbrauch an der Steckdose. Anders als beim Fernseher, wo nur der Verbrauch bewertet wird, stehen daneben noch vier weitere Prüfwerte. Warum die Fernseher-Klasse deshalb weniger aussagt, als man denkt, steht in unserem Ratgeber Fernseher kaufen: Dort ist die Klasse ein flächenbezogener Index, ein großes Gerät kann eine gute Note tragen und trotzdem mehr verbrauchen.

Lohnt sich eine Hülle – und welche?

Ja. Sturzschäden sind keine Sachmängel, die Gewährleistung greift dafür nicht. Manche Hersteller decken sie über eine freiwillige Garantie oder einen kostenpflichtigen Zusatzschutz ab – das steht in den jeweiligen Garantiebedingungen. Achte nur darauf, dass die Hülle wirklich für dein Modell ist: „Galaxy S25" und „Galaxy S25 Ultra" sind verschiedene Geräte mit verschiedenen Kameraausschnitten. In unserer Themenwelt haben wir das Zubehör deshalb ausschließlich auf die Handymodelle beschränkt, die wir selbst führen.

Was passiert, wenn die Updates auslaufen?

Das Handy funktioniert weiter, aber bekannt gewordene Sicherheitslücken werden nicht mehr geschlossen. Banking-Apps und einige Dienste sperren ältere Systemstände irgendwann aus. Ein solches Gerät ist ein guter Zweit- oder Kinder-Wecker, kein Alltagsgerät mehr.

Stand: 10.08.2026. Preise und Verfügbarkeit ändern sich – die genannten Preise stammen aus unserer Themenwelt am 10.08.2026; es gilt immer der Preis im Shop. Update-Zusagen der Hersteller können sich ändern; maßgeblich ist die Angabe des Herstellers zum jeweiligen Modell. Dieser Artikel ist eine allgemeine Kaufberatung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Woher die Angaben stammen: Verordnung (EU) 2023/1670 (Ökodesign für Smartphones und Tablets, gültig ab 20.06.2025; Anhang II: 5 Jahre Sicherheitsupdates, 7 Jahre Ersatzteile, 800 Ladezyklen bei 80 %, 45 Stürze, Mohs 4) · Delegierte Verordnung (EU) 2023/1669 (Energielabel für Smartphones; Reparierbarkeitsindex bis 5,00, Klassen A–E; Sturzfestigkeitsklasse A ab 270 Stürzen) · Richtlinie (EU) 2022/2380, Art. 2 (USB-C-Pflicht ab 28.12.2024) · § 438 Abs. 1 Nr. 3, § 477 Abs. 1 und Abs. 2 BGB · IEC/DIN EN 60529 (IP-Schutzarten) · Herstellerangaben zu Update-Zeiträumen und zur Akku-Restkapazität · Preise und Stückzahlen aus unseren eigenen Produktdaten, Stand 10.08.2026 · Verordnung (EU) 2023/1670 im EU-Amtsblatt · Delegierte Verordnung (EU) 2023/1669 (Energielabel) · § 477 BGB bei dejure.org · Verbraucherzentrale zum Energielabel für Smartphones · Apple zu Akkukapazität und Ladezyklen · Samsung zur Bedeutung von IP68 · Google zur Update-Dauer der Pixel-Geräte · Stiftung Warentest, Handys und Smartphones im Test (Stand 29.07.2026). Für nubia und ZTE haben wir keine bezifferte Update-Zusage gefunden, für einen möglichen Nachteil von 120-Watt-Schnellladen keinen Beleg – beides steht so im Text.

Passt dazu

Fernseher kaufen: Größe ist billig geworden, Bildqualität nicht Monitor fürs Homeoffice: Größe, Hz, Panel – und was davon egal ist Notebook kaufen: Was in der Modellbezeichnung fehlt Schreibtisch aufräumen: Ein Ordnungssystem gegen das Kabelchaos